Jahresthema "Brücken bauen"

Unsere Pfarrei, unsere Arbeit, unsere Feiern stehen von Pfarreifest zu Pfarreifest unter einem Motto. Es soll uns und die gesamte Pfarrei inspirieren und zum Denken und Handeln anregen. 

Für das Jahr 2019/2020 heisst dieses Jahresmotto "Brücken bauen". Zur Lancierung des Themas ist am Pfarreifest Freddy Nock auf einem Seil eine "Brücke" zwischen dem Pfarrhaus und dem Kirchturm gegangen. Im Pfarrblatt Horizonte werden Kurzgeschichten unserer Vereine und Mitarbeitenden abgedruckt.

Die Geschichten können hier nachgelesen werden. 

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Brückengeschichte einer Sängerin - chor peter und paul aarau

Vor fünfzig Jahren wollte ich sehr kurzfristig Ferien in Torremolinos buchen, die Hotels waren aber alle ausgebucht. Es gab zu jener Zeit deren nicht viele. Das Reisebüro riet mir von dieser Destination ab. Doch wie immer hatte ich Gottvertrauen, fand noch einen Sitz im Flugzeug, und via Madrid kam ich abends in Malaga an. Ich bat einen Taxichauffeur, mich zu irgendeiner Pension zu fahren. In einer engen, wenig beleuchteten Altstadtgasse hielt er an und meinte, ich solle da im 1. Stock nachfragen. Eine ältere Spanierin öffnete die Türe. Auf meine Bitte nach einem Zimmer sagte sie, sie hätte nur ein Zimmer mit zwei Betten, eine Frau warte darauf, das Zimmer mit einer anderen Person der Kosten wegen zu teilen. – Ich begab mich in die bescheiden möblierte Stube, und da sass eine Syrerin aus Damaskus, namens Fatima, modern angezogen. Sie schien etwas älter als ich. Wir unterhielten uns kurz auf Englisch, meinten, ja für eine Nacht könnten wir das Zimmer teilen. Ich holte meinen Koffer. – Die ganze Nacht blieb ich wach aus  Angst, sie würde mir was antun oder den Pass stehlen, während sie die ganze Nacht hindurch schnarchte.  - Kurzum, statt einen Tag verbrachten wir drei Tage zusammen, bevor sie sich wieder ihrer Gruppe in Madrid anschloss, und ich mit einer Fähre für drei Tage weiter nach Marokko zog.
Ich besuchte Fatima in Damaskus erstmals im 1971, dann im 1994 und im 1995, jeweils für 3 Wochen.  Als Reiseleiterin während ihrer Semesterferien kannte sie sich in ihrem Land sehr gut aus. So begleitete sie  mich zu den interessantesten historischen Stätten und wichtigen Orten, unter anderem nach Aleppo, aber auch nach Maalula. wo heute noch aramäisch gesprochen wird, die Sprache Jesu. – Sie selber besuchte mich im 1972 und 1981 in Aarau.
Im 2011 brach der Krieg aus, und wie viele Syrer verliess auch Fatima ihr so sehr geliebtes Land und zog zu ihren zwei erwachsenen Töchtern und ihrem Sohn nach Toronto. Als ich sie im 2012, nach 17 Jahren dort besuchte, schien uns, als wäre die Zeit stillgestanden. Letztes Jahr besuchte ich Fatima wiederum, vielleicht zum letzten Mal. Wir sind älter geworden.
Am 19. Juli 2019 jährte sich unsere fünfzigjährige Freundschaft – eine Brücke zwischen zwei Kulturen, die über all die Zeit standgehalten hat.
Monique Simon

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Brückengeschichte von Max Heimgartner - contact

Kirche im Garten

Dass die Katholische Pfarrei Aarau Asylsuchenden und Flüchtlingen samt ihren Begleitgruppen seit vielen Jahren Gastrecht gewährt, gäbe allein schon Stoff genug für Brückengeschichten. Diesmal aber geht es um eine andere Brücke.

Kürzlich hat die Reformierte Kirchgemeinde den Sonntagsgottesdienst für einmal zum Garten hinter der Weihermattstrasse 38 verlegt. Im Moment sind es dreizehn zugewanderte Frauen, worunter einige Asylsuchende, die hier unter der Anleitung einer Gartenfachfrau allerhand Gemüse anbauen. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz HEKS lässt damit manche Frauen nicht nur etwas Nützliches lernen, sondern auch das, was ihnen zuhause oder auf der Flucht zugestossen ist, ein wenig verdauen.

Gottesdienst findet üblicherweise in einer Kirche statt. Er ist dann eine feierliche Zusammenkunft von denen, welche zur betreffenden Kirche gehören. Von Jesus können wir lernen, dass wir Gott aber gerade auch dienen, wenn wir unsere Mauern verlassen und zu Brücken werden, indem wir uns den anderen zuwenden und an ihrem Leben Anteil nehmen. Deshalb haben wir zusammen gesungen: «Du bist da, wo Menschen leben, du bist da wo Leben ist.»

Max Heimgartner, Netzwerk Asyl 'contact'

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Brückengeschichte von Ivo Bühler

Meine Brücke zum Pfader

Bei meiner Bewerbung als Jugendarbeiter in der Pfarrei Aarau hatte ich vor der Aufgabe «Pfadipräses» besonders grossen Respekt, bin ich doch als Kind nie in Pfadfinder gewesen. Ein Grund dafür waren mitunter hanebüchene Geschichten, welche sich rund um die Taufe rankten. Nun war ich also doch in diesen Verein «gerutscht». Lange war ich bezüglich einer würde- und sinnvollen Taufe optimistisch, hatte ich doch den Eindruck, einen sehr guten Draht zu den Leitenden gefunden zu haben. Doch jeder Handschlag mit externen und Altpfadis und die obligate Frage nach meinem Pfadinamen und der darauffolgende Standartsatz «Oh, dann steht dir deine Taufe noch bevor (grins)» machte mich unsicherer. Am Dankesanlass war es dann soweit. Unverhofft und spektakulär wurde ich aus dem Raum gezaubert und fand mich bald darauf am Ufer des Oberwasserkanals der Aare wieder. Dort hatten mir die Leiter eine «Brücke» vorbereitet. Mittels einer Kajak-Seilfähre erreichte ich (fast) trockenen Fusses das andere Ufer. Diese Brücke wurde für mich Sinnbild vom «normalen» Jugendarbeiter zum Pfader zu werden. Im anschliessenden Ritual taufte mich die Abteilung auf den Namen Tacker. Das Ganze wurde mit viel Originalität und Fantasie vorbereitet und umgesetzt. Es ehrt mich Präses der Pfadfinderabteilung St. Georg zu sein. Allzeit bereit. Ivo Bühler v/o Tacker

Ivo Bühler

Mai 2019

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Brückengedicht von Mirjam Lütolf

Brücken bauen

Auf Brücken gehen

Auf der Brücke stehen bleiben?

Mir den Moment ins Herz schreiben?

Wie ist es wohl am anderen Ende –

Kommt was Neues, kommt die Wende?

Ich geh` weiter ohne Sorgen

Sonst bleibt`s für immer mir verborgen

Das Ufer, am anderen Ende der Brücke

Letztere schliesst diese Lücke

Die da war und die da ist

Obschon man sie beinah vergisst

Eine Brücke, die Sicherheit schenkt,

Die Verbindung schafft

Von dieser Kluft, die da klafft.

Ich verlass das Alte,

Geh über die Brück`

Gehe langsam, Stück für Stück

Kann jederzeit auch mich umdrehen

Doch auch kann ich weitergehen

Das neue Ufer bald erkunden

Doch bleib ich mit Vergang`nem verbunden.

Angekommen am andern Ende

Es kommt was Neues, s kommt die Wende,

Nichts verloren, viel gewonnen

Ein neues Leben hat begonnen.

Mein Horizont so hoch und weit

Ein Herz, das nach Veränderung schreit

Ich bin jetzt da, wo ich nie war

Es ist jetzt Zeit, es ist jetzt wahr.

 

Mirjam Lütolf

Juni 2019

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Brückengedicht von Burghard Förster

Brücken verrücken mag manchen entzücken

doch ist der Spass nur halb so schön

wenn man ins kühle Nass muss gehen

die Brücke erstmal dazu steht

dass man sich sicher fortbewegt

und dann und das ist noch der Clou

komm ich auch schneller hin zum DU

mag auch kein Fluss darunter fliessen

könn’ Beziehungsbrücken auch verdriessen

und schlechte Stimmung gar bereiten

wenn über Brücken Wörter reiten

die weniger dem andren dienen

als einem selbst drum ihnen

und auch dir gesagt

wer Brücken baut zum andren hin

soll Wörter wählen mit ‘nem Sinn

die helfen können um zu sehn

was bei andren ist und zu verstehn

wie auf der andren Seite Leben scheint

was Trauer, Angst und Liebe meint

dann bleiben Brücken Schutz vorm Fallen

und dienen allen zum Gefallen.

 

Aarau Juni 2019

Burghard Förster

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